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Schiedsrichter verursachte Skandal
Berliner Tagesspiegel, 09.09.1952
Vor jedem Start einer Berliner Liga-Meisterschaft haben wir gefordert, daß nur die besten Schiedsrichter herangezogen werden, denn nur sie garantieren harmonische Kämpfe und sichern den guten Ruf des Fußballsports. Man hat es leider nicht immer beachtet und gerät gleich zu Beginn in eine Situation, die dem Sport größten Schaden zufügen kann. Was sich der Schiedsrichter beim Spiel Tennis-Borussia - Wacker im Mommsenstadion leistete, war danach angetan, auch die besonnensten Zuschauer zu scharfen Protesten zu veranlassen. Wenn die Spieler - und leider nur diejenigen einer Mannschaft - einem eigenartigen Kampfleiter ausgeliefert sind, dann hat das ebensowenig mit Fairness zu tun wie die Folgen dieses unkorrekten Verhaltens. Und deshalb sind die Zuschauer, die sich das nicht gefallen lassen, kaum mehr zu verurteilen als der Schiedsrichter, der bewährten Spielleitern vorgezogen wurde, die, wie wir wissen, an diesem Sonntag zu Jugendspielen beordert worden waren.
Im Mommsenstadion wurden die Tennis-Borussen Wittig und Deinert nach der Pause beim Stande 2:1 für den Meister hinausgestellt; der Grund war nicht ersichtlich. Das war nach mehreren Fehlentscheidungen zuviel; hunderte Zuschauer stürmten das Spielfeld, bedrohten den Schiedsrichter, der seine Aufgabe nicht zu Ende führen konnte und unter Polizeischutz abtrat. Das Spiel wurde 15 Minuten vor Schluß abgebrochen. Jetzt haben die Verbandsgerichte das Wort, und wenn Sperren verhängt werden, dann darf diesmal der Schiedsrichter nicht vergessen werden.
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Bei meinem unermüdlichen Herumstochern in der Vereinsgeschichte von TeBe stieß ich auch auf diesen Spielabbruch. Natürlich habe ich die Sache genauer verfolgt, und aus drei Gründen lohnt es sich meiner Meinung nach, diese hier auch aufzuschreiben.
- Der Vorfall dürfte in der Vereinsgeschichte von TeBe ziemlich einmalig sein. Ähnlichkeiten mit noch lebenden 'TeBe-Rentnern' sind vermutlich nicht rein zufällig ;o)
- Die Berliner Oberliga der 50er Jahre war geprägt von Skandalen, Urteilen, Einsprüchen, Bestechungen und Intrigen. Ein wenig ist die folgende Geschichte daher auch ein Spiegelbild dieser Zeit.
- Besonders originell finde ich die Art, wie dem armen Sportskameraden und Schiedsrichter Treichel der Schwarze Peter zugeschoben wird. Man stelle sich vor, wie die Presse heute reagieren würde!
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Kommentar zum Skandalspiel
Berliner Tagesspiegel, 13.09.1952
So begrüßenswert der Appell des VBB (Anm.: 'Verband Berliner Ballspielvereine') an den Sportsgeist der Aktiven und Zuschauer war, so will uns doch scheinen, als versuche der Verband bisher, das Versagen des Unparteiischen beim Meisterschaftsspiel zwischen Tennis-Borussia und Wacker 04 im Mommsenstadion zu bagatellisieren. Wichtigste Voraussetzung gerade für die harten Punktkämpfe ist das Vertrauen der Akteure zu einer objektiven und sachlich wie fachlich einwandfreien Leitung des Treffens durch den vom Verband bestellten Schiedsrichter. Man sollte also die Schuldigen nicht allein unter fanatischen Zuschauern, versagenden Ordnern und Polizisten und unter den Spielern suchen, die durch die Schiedsrichterentscheidungen irritiert und verbittert worden sind.
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Die einseitige Parteinahme gegen den Schiedsrichter und für 'fanatische Zuschauer' liest sich heutzutage natürlich sehr merkwürdig, aber weitere Einzelheiten der Vorfälle sind mir leider (noch) nicht bekannt. Das wird sich aber bald ändern. Mehr dazu demnächst.
Auf der nächsten Seite gibt es für 1952-Fans (und alle, die es werden wollen) Näheres zum anschließenden Sportgerichtsverfahren. Auf Seite drei das Ende der Geschichte, das hier und jetzt natürlich noch nicht verraten wird.
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