Für unsere Mannschaft und auch für Tennis Borussia war der Tod Hans Rosenthals nicht nur ein harter Schicksalsschlag, sondern eine Zäsur, denn mit ihm schied der Mann, der unser Image geprägt hat und unserem Team das Profil gab. Diese Worte von Wilhelm Wedig belegen die besondere Bedeutung, die der Showmaster für Tennis Borussia besaß.
Früher Tod der Eltern, Zwangsarbeit in einer Blechdosenfabrik unter den Nazis, Flucht, 1943 bis zum Kriegsende im 'Untergrund' - die harten Lebenserfahrungen haben dem Mann, der nach dem Krieg seine Karriere beim Radiosender RIAS begann, nicht den Stolz und auch nicht den Humor genommen. Trotz allem - oder, wie er es selber beschrieb 'vielleicht gerade deshalb' - hat er Deutschland immer als seine Heimat betrachtet und das Land nie auf Dauer verlassen.
Sein Name und sein wohltätiges Werk leben auch heute noch weiter: Die Hans-Rosenthal-Stiftung ging aus der früheren Aktion 'Dalli Dalli hilft' hervor, in Zehlendorf trägt ein Seniorenheim seinen Namen, und die TeBe-Prominentenelf, die seit jeher ausschließlich für caritative Zwecke antritt, firmiert seit 1987 als Hans-Rosenthal-Elf. In Schöneberg wurde ein Platz nach dem neben Peter Frankenfeld und Hans Joachim Kuhlenkampff bekanntesten und beliebtesten Entertainer seiner Zeit benannt.
Neben seiner steilen Radio- und Fernsehkarriere hat Hans Rosenthal nie das 'richtige' Leben vergessen. Zeitweilig war er Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland, und sein Leben lang setzte er sich für in Not geratene Menschen und Familien ein. In seiner Freizeit zog es den begeisterten Fußballer immer wieder ins Mommsenstadion zu Tennis Borussia, wo er einige Jahre als Präsident fungierte und zusammen mit anderen 'Stars' wie Wolfgang Gruner oder Wolfgang Neuss die schon angesprochene Prominentenelf aufbaute.
Unter Rosenthal erlebte TeBe nicht gerade seine glanzvollsten Jahre. Daß man nach der Gründung der Bundesliga 1962 nur noch zweitklassig war, machte allen Spitzenvereinen des Westteils der geteilten Stadt schwer zu schaffen. Mit den Regionalligisten aus dem Bundesgebiet konnte man wirtschaftlich und sportlich kaum mithalten.
Beim Versuch, TeBe mit privaten Mitteln wieder zu einer besseren Adresse zu machen, wurde Rosenthal von seinen 'Geschäftspartnern' böse hintergangen und hätte im wahrsten Sinne des Wortes beinahe Haus und Hof verloren. Durch den lukrativen Transfer von Bernd Gersdorff nach Braunschweig konnte der finanzielle Verlust glücklicherweise in erträglichem Rahmen gehalten werden, aber für Rosenthal war es ein Schock, den er bis zu seinem Lebensende nicht vergaß.
Auch mit der zunehmenden Kommerzialisierung hatte der Showmaster so seine Probleme. Da sich im Regionalliga-Fußball mehr und mehr eine Art Halbprofitum durchsetzte, mußte er zwischen den (wirtschaftlichen) Interessen der Spieler und des Vereins abwägen und oft genug ungünstige Kompromisse schließen. In seiner Autobiographie 'Zwei Leben in Deutschland' schilderte Rosenthal einige Anekdoten aus dieser Zeit.
Wesentlich erfolgreicher war er in seinen unermüdlichen Versuchen, das Vereinsleben wieder auf eine breitere Basis zu stellen. In Rosenthals Aera fällt beispielsweise die Wiedereinführung einer Tennisabteilung. Mit der TeBe-Prominentenelf tingelte er durch die Lande und sammelte Geld für den guten Zweck. Seine imagebildende Wirkung für den Verein als prominenter und beliebter Showmaster ist natürlich nicht hoch genug zu bewerten.
1973 stellte sich Hans Rosenthal nicht mehr zur Wiederwahl als Vereinspräsident.
Aber einen großen Traum konnte sich Hans Rosenthal wenigstens erfüllen: 'Wir spielten immer im Mommsenstadion in Eichkamp. Wenn wir aber die Aufstiegsrunde erreichen sollten, das wußte ich, dann würden wir ins Olympiastadion einziehen dürfen.
Das war unser Traum. Mein Traum war es jedoch ganz besonders, denn ich stellte mir vor, daß ich dann als Präsident in der Ehrenloge sitzen würde; genau auf dem Platz, den Hitler eingenommen hatte, als er 1936 die Welt zu den Olympischen Spielen empfing. Der würde sich im Grabe herumdrehen, dachte ich mir, wenn er wüßte, daß auf seinem Platz der kleine Hans Rosenthal sitzt - kaum mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem unrühmlichen Ende.
Wir kamen also in die Aufstiegsrunde. Ich entwarf eine Sitzordnung für die Ehrengäste. Für meine Frau und mich reservierte ich den Platz in der 'Führerloge'. Dort ließ ich mich dann nieder, erhob mich wieder und grüßte nach allen Seiten. Alle möglichen Gedanken gingen durch meinen Kopf. Es war ein seltsames Gefühl für mich. Eine Mischung aus Triumph und Gruseligkeit, Abscheu und Behagen.
Die Genugtuung, die ich doch überwiegend dabei empfand, wird man wohl nur nachempfinden können, wenn man sich bewußt wird, wie sehr ich diesen Mann gehaßt habe. Vergleichbares hatte ich zuvor nur Anfang Mai 1945 bei der heimlichen Besichtigung der zerstörten Reichskanzlei erlebt. Ich sah Hitlers zerbrochenen Schreibtisch. Ich sah auch den zerschlissenen, angekohlten Schreibtischsessel, von dem aus der Tyrann seine Befehle für millionenfaches Sterben gegeben hatte. Ich habe das eine wie das andere nicht vergessen...'
1950 gründete sich unter der Federführung von Wolfgang Gruner und Wolfgang Neuss die Prominentenmannschaft 'FC Oase', wurde kurz darauf in 'FC Mimik' umbenannt und mußte sich bald darauf einem eingetragenen Verein anschließen, um in den Besitz der vorgeschriebenen Spielerpässe zu gelangen. Die erste Wahl war Südstern 08 und kurz darauf der Spandauer SV, bevor man sich Tennis Borussia anschloß. Bald darauf kam auch Hans Rosenthal dazu, und mit anderen Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport spielte man fortan unentgeltlich bei allen sich bietenden Gelegenheiten. Früher waren Prominentenspiele noch besondere Ereignisse, und so kamen schon mal 5.000 Zuschauer zu diesen Begegnungen.
Auch heute noch tritt die Hans-Rosenthal-Elf 30- bis 40mal jährlich an und organisiert ein eigenes Hallenturnier für Prommi-Teams. Der Name? Klar: Hans-Rosenthal-Turnier. Abschließend eine kleine Auswahl von Namen, die in diesem Rahmen das lila-weiße Trikot trugen:
Jürgen Baake (Ex-TeBe-Spieler) - Bernhard Brink (Schlagersänger) - Jürgen Diefenbach (Ex-Hertha und Ex-SSV) - Norbert Eckert (Ex-TeBe-Vorstand) - Hans-Jörg Eiringhaus (vom Spieler bis zum Zeugwart alles bei TeBe gewesen) - Helmut Faeder (Ex-Nationalspieler und -Herthaner) - Gino Ferrin (Ex-TeBe-Spieler) - Wolfgang Gruner (Kabarettist) - Dieter Hildebrandt (Kabarettist) - Lothar Hinze (SFB-Sportreporter) - Ditmar Jakobs (Ex-TeBe-Spieler) - Helmut Jonas (Ex-TeBe-Spieler und -Ältestenrat) - Ernst Kallies (Brauereidirektor) - Axel Lange (Ex-TeBe-Spieler) - Stanislav Levy (Ex-TeBe-Spieler und -Trainer) - Udo Lindenberg (Rocksänger) - Frank Marczewski (Ex-TeBe-Spieler) - Toni Marshall (Schlagersänger) - Wolfgang Neuss (Kabarettist) - 'Oskar' (Karikaturist) - Pele ('bester Spieler aller Zeiten') - Heinz Pietzsch (Ex-TeBe-Präsident und Aufsichtsratsmitglied) - Heinrich Riethmüller (Bandleader) - Gert Rosenthal ('Hänschens' Sohn) - Rudi Rosenzweig (legendärer FuWo-Journalist) - Conny Rux (Ex-Europameister im Boxen) - Christian Sackewitz (Ex-TeBe-Spieler) - Maximilian Schell (Schauspieler) - Jürgen Schulz (Ex-TeBe-Spieler) - Jochen Sprentzel (SFB-Sportreporter und Opportunist, der heute nur noch Gift und Galle für TeBe übrig hat) - Volker Stolle (Berliner Hotelkönig) - Fritz Walter (Weltmeister '54) - Jack White (Schlagerproduzent und Ex-TeBe-Präsident) - Fritz Wilde (Ex-TeBe-Spieler) - Jochem Ziegert (Ex-TeBe-Spieler und Trainer der 'Hertha-Bubis') - Werner Zimmer (Sportmoderator)
Fotos:
1. RIAS-Pressefoto 1953
2. Hans Rosenthal: Zwei Leben in Deutschland, Bergisch Gladbach, 1982 (Buchtitel)
3. Festschrift 50 Jahre Hans-Rosenthal-Elf: Rosenthal, Pele, Gruner am Rande eines Benefizspiels in Braunschweig
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