Vieles spricht dafür, daß Offenberg an dieser besonderen Stärke der neuen TeBe-Mannschaft selbst einen gehörigen Anteil hat. Nur selten lief man einem Gegner ins offene Messer, viel öfter wartete man mit unerschütterlicher Dispizlin darauf, bis bei den anderen die Kräfte nachließen, um dann erbarmungslos zuzuschlagen. Kaum anzunehmen, daß unsere ausgesprochen junge und begeisterungsfähige Mannschaft solche Tugenden von sich aus praktiziert. Dafür darf sich der Trainer auch mal selbst auf die Schulter klopfen.
Nach den ersten Erfolgen im Sommer wurde Offenberg gefragt, ob man seine Ziele ('sorgenfreie Saison') nun korrigieren müsse. 'Warten wir mal bis zur Winterpause', antwortete der Coach. Nun ist es soweit. TeBe liegt nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses hinter dem großen Favoriten, den Amateuren von Hertha BSC. Aus einem kleinen spielerischen Tief - gegen Rostock und Türkiyemspor - kam die Mannschaft nicht nur schnell, sondern auch relativ ungeschoren heraus (immerhin vier Punkte aus diesen beiden Spielen).
Unsere Vorteile gegenüber Hertha:
- Unsere Jungs sind begeisterungsfähig.
- Sie haben nicht den Druck, der bei Hertha existiert (denn wir müssen nicht unbedingt aufsteigen), und können deshalb befreit aufspielen.
- Hertha ist der Gejagte, wir sind der Jäger im Windschatten.
- Wir haben das direkte Duell im Mommsenstadion dank der besseren Taktik mit 1:0 gewonnen.
- Wir haben ein treue und lautstarke Anhängerschaft, während sich die Hertha-Fans für ihre Bundesliga-Reserve nicht interessieren.
- Und: Unsere Jungs wissen, daß sie konstant gute Leistungen bringen müssen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen; Bei Hertha können einem Spieler unter Umständen zwei gute Leistungen reichen, um eine Chance bei den Profis in der Bundesliga zu bekommen.
Was uns noch von Hertha trennt:
- Im Spitzenspiel hat man gesehen, daß die Herthaner einen Tick robuster und spielstärker sind.
- Unsere Stürmer Jovanovic und Donkor sind leider sehr verletzungsanfällig.
- Unsere Truppe ist extrem jung, was eigentlich fast eine Garantie für Leistungsschwankungen ist.
- Und: Wir wissen nicht, was nach dem ersten wirklichen Rückschlag (sprich: Niederlage) passiert. Wird das Nervenkostüm der Spieler halten?
Es gibt wahrlich keinen Grund zur Schwarzmalerei. Dennoch sei die bisherige Parallele zur Saison 1998/99 genannt: TeBe startete furios in die 2. Liga und galt in der Winterpause als heißer Aufstiegsanwärter. Doch dann wurden einige Spitzenspiele auswärts verloren, Trainer Gerland wurde entlassen, weil er laut über seine Zukunft nachdachte, und Hertha kaufte unseren zu dieser Zeit besten Stürmer Ilija Aracic. Am Ende landete TeBe auf dem sechsten Platz, und alle waren enttäuscht, die Euphorie verflogen.
Es darf davon ausgegangen werden, daß die neue Vereinsführung die Fehler der Göttinger Gruppe nicht wiederholt. Aber: Das Beispiel aus der eigenen jüngeren Geschichte zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Und gegen Abwerbungen unserer Spieler wird der Verein wenig unternehmen können. Insofern hielte ich es für falsch, nun wieder öffentlich über den Aufstieg nachzudenken. Wenn der Schuß nach hinten losgeht, wären wir wieder die Lachnummer der Stadt. Das muß man weder seinen Spielern noch seinen Anhängern antun, wenn man die bisherige erfolgreiche Arbeit einfach konsequent und in aller Bescheidenheit fortsetzt. Was am Ende dabei herauskommt, werden wir sehen. Prognosen sind nicht mehr als Kaffeesatzleserei, und damit kann man einfach nur auf die Schnauze fallen. Es gibt im Fußball zu viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Aber Klaus Schumann und Co. wissen das, daran gibt es wohl keine Zweifel.
Freuen wir uns einfach, daß TeBe sein wirtschaftliches Fiasko der jüngeren Vergangenheit überlebt hat und nun auf einem vielversprechenden Weg in eine bessere Zukunft ist. |
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Aber zum Spiel gegen die Füchse: TeBe mußte am Freiheitsweg auf den grippekranken Taskin Aksoy verzichten. Dennoch verfolgte er das Spiel vor Ort, übrigens gemeinsam mit Goya Jaekel, der seine schwere Verletzung leider noch immer nicht ganz überwunden hat, sich als momentan vereinslos bezeichnet und anscheinend Zweifel hat, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen können wird. Kopf hoch, Goya!
Für Aksoy rückte Mike Frank in die Liberoposition, Manteufel dafür neben Kraljevic in die Manndeckung. Ansonsten setzte Offenberg - aufgrund vieler Verletzter z.T. auch gezwungenermaßen - noch stärker als sonst auf die Ex-Füchse (z.B. Ben-Hatira von Beginn an im Sturm, Felix Müller im Mittelfeld), weil er sich wohl von diesen eine besondere Motivation versprach.
Um auch das gleich vorwegzunehmen: Mir hat der Schiedsrichter (diesmal sogar zusammen mit den Linienrichtern) wieder sehr gut gefallen. Bis auf eine ziemlich widerliche Aktion des Fuchses mit der Nr. 15 (Benyamina), der einen unserer Spieler anspuckte, haben die Referees keine krassen Regelverstöße übersehen. Daß bei ausnahmslos jedem Spiel über die Schiris gemeckert wird, ist leider auch bei uns gängige Praxis. Allerdings ist das bekanntlich nicht nur bei uns so...
Übrigens wurde besagter Füchse-Stürmer Benyamina nach seinem Ausraster bis zu seiner Auswechslung in der 80. Minute unablässig von den TeBe-Fans ausgepfiffen und beschimpft. Der Spieler ließ sich davon ganz offensichtlich beeinflussen, mied die Nähe unseres Fanblocks, agierte nervös und überhastet. Wer seinen Gegenspieler anspuckt, zumal ohne Grund und vorherige Provokation, hat es auch nicht besser verdient. Jede Wette, daß sich der junge Mann künftig solche Aktionen spart. Wer ist schon gerne über eine Stunde lang der Buhmann?
Die Partie war von der ersten Minute an kampfbetont und schnell, ohne daß sich eine der Mannschaften große Chancen herausspielen konnte. Trotz der fehlenden Torschüsse war das Spiel alles andere als ein Langweiler. Natürlich lebte es zum Teil auch von der Brisanz, daß in unseren Reihen gleich fünf Ex-Reinickendorfer standen.
Wie fast immer war TeBe in der zweiten Hälfte noch zu einer Steigerung fähig, während die Füchse vor allem in der Abwehr Konzentrationsprobleme bekamen. Die Zweikampf-Bilanz tendierte ab der 46. Minute deutlich in Richtung TeBe. Als Daniel Leetz mit einem herrlichen Paß Jan Walle freispielte, stand dieser plötzlich unbedrängt vor des Gegners Kasten und netzte aus 18 Metern gekonnt zur dann bereits verdienten Führung ein (62.). Nur gut fünf Minuten später erhöhte Tim Felsenberg aus relativ spitzem Winkel. Übrigens gehörte Felsenberg (auch laut FuWo) wieder einmal zu den besten Spielern, zweikampfstark, schnell, technisch beschlagen und mit gutem Auge. Man fragt sich, warum er (noch) relativ selten in der Anfangsformation steht.
Nach dem 2:0 zog sich TeBe naturgemäß etwas zurück und lauerte auf Konter. Die Füchse erwiesen sich nun als Team mit guter Moral und gar nicht schlechten Ideen im Angriff. Doch nur einmal wurde der wie immer glänzend reagierende Thomas Joos im TeBe-Tor ernsthaft geprüft. TeBe hätte mit den schnellen Entlastungsangriffen für die endgültige Entscheidung sorgen können, doch Füchse-Keeper Nofz reagierte einige Male gut.
Nach dem Abpfiff die üblichen Szenen: Jubel, Welle, Abklatschen. Dann noch einmal Jubel, als das Ergebnis aus Rostock bekannt wurde. Für die Hansestädter traf wieder einmal unser Ex-Hoffnungsträger Ebi Empere, der sich an der Ostsee langsam durchzusetzen scheint. Es wäre ihm ja wirklich zu gönnen.
In eigener Sache: Leider war mir eine Aktualisierung dieser Homepage in den letzten drei Monaten aus Zeitgründen kaum möglich. Da ich (bewußt) kein Redaktionssystem einsetze, sondern alle Seiten per Hand 'programmiere', dauert die Aufarbeitung eines einzigen Spieltages jeweils ca. vier Stunden. Diese Zeit habe ich zuletzt vor allem in die Mitarbeit an einer Vereinschronik investiert, die im nächsten Jahr zum 100jährigen Jubiläum erscheinen soll. Ich bemühe mich, die hier entstandenen Lücken in der Winterpause zu füllen und ab der Rückrunde wieder regelmäßig meinen Senf zum aktuellen Geschehen abzugeben.
Die Wahl zum Spieler der Hinrunde ist in Vorbereitung und wird in der Winterpause wie gewohnt stattfinden. |